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Urinuntersuchung

Hinweis

Zum Verständnis:
Eine Voraussezung, um zuverlässige Analysenergebnisse zu erhalten ist die richtige Probengewinnung. Wenn Sie folgende Punkte bei der Gewinnung vom Mittelstrahlurin beachten, können Sie dabei mithelfen:
  • Verwenden Sie nur Morgenurin, d.h. mindestens ab 2 Uhr nachts soll kein Wasser mehr gelassen werden

  • Harnröhrenmündung und Hände vor der Uringewinnung waschen

  • Erste Urinportion verwerfen, mittlere sammeln, Rest wieder verwerfen

  • Mittelstrahlurin muss sofort gekühlt oder innerhalb von 2 Stunden verarbeitet werden


Die Farbe des Urins resultiert haufig aus der aufgenommenen Nahrung aber auch aus krankhaften Veränderungen oder auch aus aufgenommenen Giftstoffen.

Was kann man aus der Verfärbung des Urins schließen?

Urinbeurteilung
Aussehen physiologisch Nahrung Pharmaka/Toxine
farblos, blaßgelb Polyurie Rhababer Bromsulfthalein, Chinin, Kresol, Nitrobenzol
zitronengelb   Karotten Laxantien, Nifurantin
orange bis rotbraun Myoglobin   Laxantien
orangegelb Oligurie, Polyurie, Porphobillinogen, Urobillinogen   Aminophenazon
rot Bilirubin, Erythrozyten, Hämoglobin,5-Hydroxyindol Lebensmittelfarbst., Rhodamin B, Rote Rübe Acetanilid, Bromsulphthalein, Nitrobenzol, Phenacetin, Phenytoin, Pyrogallol, Santonin
braun bis dunkelbraun Bilirubin, Porphyrine    
dunkelbraun bis braunschwarz Indikan, Melanin, Methhämoglobin   Naphthalin, Phenole, Pyrogallol, Resorcin, Thymol, Tannin
grünlich Biliverdin, Galle, Indikan Indocarmin Cresol, Kupfersalze, Phenylsalicylate, Resorcin
bläulich Indikan Indocarmin Kupfersalze, Nitrofurat
trüb Bakterieller Bewuchs, Proteine    
milchig Fette, Leukozyten, Pyurie    
Am rationellsten ist bei der täglichen Routineuntersuchung des Harns in Klinik, Praxis und der Selbstkontrolle (meist nur Glucose) die Bestimmung des kompletten, chemischen Urinstatus mit Hilfe von Teststreifen, die folgende Parameter umfassen:
  • Weiße Blutkörperchen (Leukozythen)
  • Nitrit
  • pH
  • Eiweiß
  • Glucose
  • Keton
  • Urobilinogen
  • Bilirubin
  • Blut.


Bewertung:

Leukozyten

Die Leukozyturie, eine vermehrte Ausscheidung weißer Blutkörperchen, ist ein wichtiges Leitsymptom bei entzündlichen Erkrankungen der Nieren und / oder ableitenden Harnwege.
Die Grenze zwischen normaler und krankhaft erhöhter Leukozyten-Ausscheidung ist nicht einheitlich definiert. Von der überwiegenden Zahl der Autoren werden jedoch zwischen 10 und 20 Leukozyten / µl im Harn als suspekt und kontrollbedürftig angesehen.

Nitrit
Der häufigste Erreger von Harnweginfekten, Escherischia coli, und die meisten anderen harnpathogenen Keime wandeln das im Harn vorhande Nitrat in Nitrit um. Das Teststreifenfeld zeigt das Vorhandensein durch eine rosa-rote Verfärbung an. Auf diese Weise erfolgt ein direkter Nachweis von nitritbildenden Keimen im Harn.
pH
Der pH-Wert ist ein Maß für die Säure- oder Basenstärke einer wäßrigen Flüssigkeit. pH = 7 ist neutral, pH = 1 ist stark sauer (Salzsäure) und pH = 12 ist stark basisch (alkalisch), wie z.B. die Natronlauge.
Der pH-Wert des Harns ist nicht nur von der Ernährung, sondern auch von der Stoffwechsellage und verschiedenen Erkrankungen abhängig und kann durch Medikamente beeinflusst werden.
Der pH-Wert schwankt bei Gesunden in weiten Grenzen (4,5 - 8), meist liegt er jedoch zwischen pH 5 und 6.
Bei über den Tag anhaltenden alkalischen Werten (pH 7 - 8) des frischen Harns ist an einen Harnweginfekt zu denken.
pH = -lg[H+]
Eiweiß
Die sogenannte Proteinurie ist bei Nierenerkrankungen ein häufiges, aber auch unspezisches Symptom. Siehe dazu auch ⭢ Eiweiße.


Glucose
Entscheidend für das verstärkte Auftreten von Glucose im Harn ist außer derHöhe des ⭢ Blutzuckerspiegels die Höhe der sogenannten Nierenschwelle. Ihr Normalwert liegt 160-180 mg/dl Blutzucker.
Ist diese Nierenschwelle signifikant erniedrigt, wird auch bei normalen, nichtdiabetischen Blutglucose-Konzentrationen vermehrt Glucse im Harn ausgeschieden.
Auch die häufig beobachtete Schwangerschafts-Glucosurie ist in den meisten Fällen durch die Niere (renal) bedingt. Etwa 10-15% der Schwangeren weisen erhöhte Nüchternharnzuckerwerte auf.
Kohlenhydratreiche Mahlzeiten oder ⭢ Glucosebelastungstests können auch bei stoffwechselgesunden Personen mit normaler Nierenschwelle eine sog. alimentäre Glucosurie zur Folge haben, wenn die Blutzuckerkonzentration kurzfristig stark ansteigt.
Zur Sicherung der Diagnose ⭢ "Diabetes mellitus" und zur Einstellungs- und Therapiekontrolle sind deshalb quantitative Blutzuckerbestimmungen unerläßlich.
Keton
Der Ketonkörpernachweis (Acetessigsäure und Aceton) im Harn ist besonders für die Erfassung einer Stoffwechselentgleisung beim Diabetes mellitus wichtig.
Ketonkörperausscheidungen im Urin findet man ferner bei Hungerzuständen (z.B. Totalfasten durch Null-Diät), Schlanheitskuren durch Kohlenhydratentzug mit eiweißreicher Ernährung (ausgleichbar durch ausreichende Flüssigkeitszufuhr kalorienfreier Getränke), Erbrechen bei Kleinkindern und fieberhaften Zuständen.
CH3-CO-CH2-COOH
(Acetessigsäure)

CH3-CO-CH3
(Aceton)
Urobilinogen und Bilirubin
Urobilinogen und Bilirubin sind Abbauprodukte des roten Blutfarbstoffs (Hämoglobin) und treten dann im Urin auf, wenn
  • durch bestimmte Blutkrankheiten, z.B. hämolytische Anämie, vermehrt Hämoglobin abgebaut wird
  • die Funktionskapazität der Leber, die für den weiteren Abbau des Urobilinogens verantwortlich ist, eingeschränkt ist (Hepatitis, toxische Leberschäden)
  • ein Verschluss der Gallenwege (Bilirubin) vorliegt.
Blut
Eine Hämaturie, also die Ausscheidung roter Blutkörperchen (Erythrozyten) im Harn, kann bei vielen Erkrankungen auftreten. Die sorgfältige Abklärung ihrer Ursache ist deshalb deshalb unbedingt erforderlich.
Eine mit bloßem Auge sichtbare Rotfärbung (Makrohämaturie) ist ab einer Blutbeimengung von mehr als 0,5 ml Blut in 1 l Harn (entsprechend ca. 2500 Erythrozyten pro µl Harn) zurückführbar.
Die Mikrohämaturie muß von der physiologisch normalen Erythrozyten-Ausscheidung, die bis zu 3 Erythrozyten pro µl betragen kann, abgegrenzt werden.
Als krankhaft sind Werte ab 5 Erythrozyten/µl zu bezeichnen.
Hauptursachen sind Erkrankungen der Niere (Steine, Nierenkrebs)und des Urogenitaltraktes sowie hämorrhagische Diathesen (= Blutungsneigung im weitesten Sinne).


 
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